FAMILIÄRER BRUST- UND EIERSTOCKKREBS

Die Pressemeldung, dass sich die Schauspielerin Angelina Jolie aufgrund ihrer familiären Brustkrebsbelastung zur prophylaktischen, operativen Entfernung beider Brüste entschlossen hat, erregte weltweit großes Interesse in der Öffentlichkeit.

Diese „klinische Konsequenz“ bedarf jedoch einiger Erläuterungen:
Etwa 5 bis 10% aller Brustkrebserkrankungen sind genetisch (also erblich) bedingt, wobei ca. 50% auf Mutationen (also Veränderungen) in den Brustkrebsgenen BRCA 1 und BRCA 2 entfallen. Dabei erhöht sich für die Trägerinnen einer krankhaften BRCA-Mutation das Erkrankungsrisiko für Brustkrebs von ca. 10% (entsprechend dem Bevölkerungsdurchschnitt) auf 80%. Dementsprechend erhöht sich auch das Risiko für Eierstockkrebs von ca. 2% auf 15 bis 40%.
In Deutschland erkranken ca. 2,500 Frauen pro Jahr an einem erblichen Brustkrebs!
Gehäuft findet sich diese erbliche Belastung in sogenannten „ Risikofamilien“:

  • mind. drei Frauen in der Familie sind an Brustkrebs erkrankt
  • mind. zwei Frauen in der Familie sind an Brustkrebs erkrankt, davon eine vor dem 51. Lebensjahr
  • mind. eine Frau in der Familie ist an Brustkrebs und mind. eine Frau in der Familie ist an Eierstockkrebs erkrankt
  • mind. zwei Frauen in der Familie sind an Eierstockkrebs erkrankt
  • mind. eine Frau in der Familie ist an Brust- und Eierstockkrebs  erkrankt
  • mind. eine Frau mit 35 Jahren oder jünger in der Familie ist an Brustkrebs erkrankt
  • mind. eine Frau mit 50 Jahren oder jünger in der Familie ist an beidseitigem Brustkrebs erkrankt
  • mind. ein Mann in der Familie ist an Brustkrebs und eine Frau in der Familie ist an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt.

Ist eine dieser Bedingungen erfüllt, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Mutation der Brustkrebsgene bei >10%.
Es ist inzwischen allerdings bekannt, dass neben BRCA 1 und BRCA 2 noch weitere Brustkrebsgene bestehen.
Weist die Familiengeschichte einer Frau eine der o.g. Konstellationen auf, sollte nach einer ausführlichen genetischen Beratung zunächst die Blutuntersuchung bei dem bereits an Brustkrebs erkranktem Familienmitglied (die Indexperson) erfolgen; wird ein erhöhtes Risiko diagnostiziert, wird die Blutabnahme ebenfalls bei der noch nicht erkrankten Person durchgeführt.
In Abhängigkeit vom Untersuchungsergebnis wird der Patientin ein intensiviertes Früherkennungsprogramm empfohlen:

  • ½-jährliche ärztliche Tastuntersuchung der Brüste ab dem 25. Lebensjahr
  • -½-jährliche Ultraschalluntersuchung beider Brüste ab dem 25. Lebensjahr
  • jährliche Mammographie ab dem 30. Lebensjahr
  • jährliche NMR Untersuchung beider Brüste ab dem 25. Lebensjahr.

Die Entscheidung über weitere prophylaktische operative Maßnahmen, wie die Entfernung beider Brüste, ggf. mit Entfernung beider Eierstöcke, ist individuell bzw. in Abhängigkeit von der Familiensituation zu klären!
Wird keine Veränderung der Brustkrebsgene BRCA 1/ BRCA 2 gefunden, bedeutet das für die betroffene Person jedoch keine endgültige Entwarnung, da nur 50% der erblichen Brustkrebserkrankungen durch pathologische Veränderung dieser Gene bedingt sind.
Für weitere Informationen sprechen Sie mich bitte gerne an.